Methode
Sekundärzitat: Wann 'zitiert nach' erlaubt ist und wie man es korrekt belegt
Was ein Sekundärzitat ist, wann es zulässig ist, die Originalquelle nicht zu beschaffen, und wie man 'zitiert nach' in APA, Chicago und MLA korrekt ausweist.
Inhalt
Sekundärzitat: Wann “zitiert nach” erlaubt ist und wie man es korrekt belegt
In der Wissenschaft gilt das Prinzip, dass man jede Quelle, die man zitiert, selbst gelesen haben sollte. In der Praxis stößt dieses Prinzip an Grenzen: Werke können vergriffen sein, nur in Sprachen vorliegen, die man nicht beherrscht, oder sich in Archiven befinden, die nicht zugänglich sind. In diesen Fällen greift das Sekundärzitat als Notlösung.
Was ist ein Sekundärzitat?
Ein Sekundärzitat liegt vor, wenn man einen Autor (die Primärquelle) nur deshalb zitiert, weil man seinen Text in einem anderen Werk (der Sekundärquelle) gefunden hat, ohne die Primärquelle selbst gelesen zu haben. Die Formulierung “zitiert nach” oder “zit. nach” weist darauf hin: Man macht transparent, dass man nicht direkt aus dem Original schöpft, sondern aus einem Zwischenwerk.
Beispiel: Historiker Karl Fischer schreibt 1902 über Quellenmethodik, aber sein Buch ist nirgends digital verfügbar. Man findet ein Zitat von Fischer in einem 2018 erschienenen Aufsatz von Sabine Müller. Man zitiert dann “Fischer (1902), zitiert nach Müller (2018)”.
Wann ist das Sekundärzitat legitim?
Die wichtigste Voraussetzung ist die tatsächliche Nichtverfügbarkeit der Primärquelle. Das ist kein bequemes Argument für jede Situation, in der man zu faul ist, die Bibliothek aufzusuchen. Die meisten Hochschulen und Betreuer erwarten, dass man alle zumutbaren Wege versucht hat, bevor man ein Sekundärzitat akzeptiert.
Legitime Gründe für ein Sekundärzitat:
- Das Originalwerk ist in keiner zugänglichen Bibliothek vorhanden und nirgends digital verfügbar.
- Das Original liegt in einer Sprache vor, die man nicht hinreichend beherrscht, um es sachkundig zu lesen.
- Das Original ist ein unveröffentlichtes Manuskript, das nur der Sekundärquellenautor einsehen konnte.
- Das Original ist ein mündlicher Vortrag oder ein Brief, der nicht publiziert wurde.
Kein legitimer Grund ist es, wenn das Buch in einer nahegelegenen Bibliothek steht oder wenn eine digitale Version existiert, man sie aber nicht gefunden hat.
Kennzeichnung im Fließtext
Die Formel variiert je nach Zitierstil, folgt aber immer demselben Prinzip: Primärautor und Primärquelle werden genannt, dann kommt der Hinweis auf die Sekundärquelle.
In APA 7: (Fischer, 1902, zitiert nach Müller, 2018, S. 45)
APA schreibt vor, als Jahr die Erscheinungsjahre beider Werke anzugeben. Im Fließtext sieht das so aus: “Fischer (1902, zitiert nach Müller, 2018, S. 45) beschreibt die Quellenkritik als…”
In Chicago (Fußnote): Fischer, Quellenkunde (1902), zitiert nach Müller, “Historische Methode,” 45.
In MLA: Das MLA-Handbuch empfiehlt die Formulierung “qtd. in” (quoted in) im englischsprachigen Umfeld. Im deutschen Kontext wird meistens “zit. nach” oder “zitiert nach” verwendet, auch wenn MLA offiziell nicht ins Deutsche übersetzt ist.
Was ins Literaturverzeichnis kommt
Hier unterscheiden sich die Stile. In APA 7 ist die Vorgabe eindeutig: Nur die Sekundärquelle (also Müller 2018) erscheint in der Referenzliste. Die Primärquelle (Fischer 1902) erscheint dort nicht, weil man sie nicht selbst gelesen hat.
In Chicago und MLA gibt es mehr Spielraum. Manche Betreuer erwarten, dass man die Primärquelle soweit möglich in einer separaten Bibliografieabteilung oder als Anmerkung aufführt. Im Zweifel gilt: Rücksprache mit der betreuenden Person halten.
Häufige Fehler beim Sekundärzitat
Das Sekundärzitat als Normalfall behandeln: Wer regelmäßig “zitiert nach” schreibt, sendet ein Signal, dass er nicht mit den Originalquellen arbeitet. Das weckt bei Gutachtern berechtigte Zweifel an der Quellenarbeit.
Die Sekundärquelle falsch zuordnen: Wenn man Fischer durch Müller kennt, ist Müller die eigentliche Quelle der Information. Man hat keine Garantie, dass Müller Fischer korrekt zitiert. Fehler, Auslassungen oder Entstellungen in Müllers Wiedergabe werden durch das Sekundärzitat unbemerkt übernommen.
Fehlende Transparenz: Wer ein Sekundärzitat nicht als solches kennzeichnet, täuscht vor, die Primärquelle selbst gelesen zu haben. Das ist ein Verstoß gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis.
Der Unterschied zur Paraphrase
Beim Sekundärzitat gibt man einen Gedanken oder Text wieder, den man in einer anderen Quelle gefunden hat. Beim Paraphrasieren formuliert man einen Inhalt mit eigenen Worten um. Beide Techniken können kombiniert auftreten: Man paraphrasiert einen Gedanken, den man nur aus einer Sekundärquelle kennt. Auch dann muss “zitiert nach” stehen.
Praktische Empfehlung
Sekundärzitate sind in wissenschaftlichen Arbeiten sparsam einzusetzen und immer transparent zu kennzeichnen. Wer seine Quellenangaben systematisch pflegt, kann im Generator auf dieser Website prüfen, ob alle Angaben vollständig sind, bevor die Arbeit abgegeben wird.
Häufige Fragen
Darf man Sekundärzitate in einer Abschlussarbeit verwenden?
Grundsätzlich ja, aber möglichst selten. In Bachelorarbeiten und Masterarbeiten wird erwartet, dass man die Primärquelle beschafft und selbst liest. Sekundärzitate sind nur dann akzeptabel, wenn die Originalquelle nachweislich nicht zugänglich ist, zum Beispiel bei vergriffenen Werken ohne digitale Ausgabe oder bei unveröffentlichten Manuskripten.
Was steht im Literaturverzeichnis beim Sekundärzitat?
Nur die Sekundärquelle, also das Werk, aus dem man tatsächlich zitiert, erscheint im Literaturverzeichnis. Die Primärquelle kann ebenfalls aufgeführt werden, wenn man ihre Daten kennt, dies ist aber stilabhängig. In APA 7 empfiehlt das Manual ausdrücklich, nur die Sekundärquelle in die Referenzliste aufzunehmen.
Wie unterscheidet sich das Sekundärzitat vom Paraphrase?
Beim Sekundärzitat übernimmt man den genauen Wortlaut eines Autors, den man in einem anderen Werk gefunden hat. Beim Paraphrasieren gibt man den Inhalt einer Quelle mit eigenen Worten wieder. Beide Formen können als Sekundärzitat auftreten, wenn der direkte Zugang zur Primärquelle fehlt.
Quellen
- American Psychological Association (2020): Publication Manual of the American Psychological Association, 7th Edition, APA.
- Theisen, Manuel René (2021): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 17. Auflage, Vahlen.
Über die Autorenschaft
Mateusz Viola
Betreiber und redaktionelle Verantwortung literaturverzeichnis-generator.de
Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601
Mehr über Mateusz Viola →Verwandte Artikel
Grundlagen
Literaturverzeichnis erstellen: Grundlagen und Aufbau
Wie man ein korrektes Literaturverzeichnis anlegt, welche Angaben zwingend nötig sind und wie man häufige Fehler von Anfang an vermeidet.
Lesezeit 6 Min.
Zitierstile
APA-Zitierweise: Autor-Jahr-System nach APA 7 richtig anwenden
Die APA-Zitierweise nach der 7. Auflage erklärt: Intext-Belege, Literaturverzeichnis-Format und die häufigsten Sonderfälle für Bücher, Artikel und Webseiten.
Lesezeit 7 Min.
Zitierstile
MLA-Zitierweise nach MLA 9: Aufbau und Besonderheiten
Der MLA-Stil in der 9. Auflage erklärt: Works Cited, Intext-Belege, Container-System und typische Fallstricke für Studierende der Geistes- und Kulturwissenschaften.
Lesezeit 6 Min.