Methode

Im Text zitieren: direkte und indirekte Zitate richtig einsetzen

Wann man wörtlich zitiert, wann man paraphrasiert, wie man Zitate korrekt einbettet und kennzeichnet, und welche Fehler Studierende beim Intext-Beleg am häufigsten machen.

Lesezeit 7 Min. Aktualisiert 27.05.2026 2 Quellen Mateusz Viola Mateusz Viola
Inhalt

Im Text zitieren: direkte und indirekte Zitate richtig einsetzen

Das korrekte Zitieren im Fließtext ist eine Kernkompetenz wissenschaftlichen Schreibens. Es geht nicht nur darum, Plagiate zu vermeiden, sondern auch darum, die eigene Argumentation transparent zu machen. Wer klar kennzeichnet, welche Aussagen aus Quellen stammen und welche das eigene Denken widerspiegeln, zeigt, dass er die Literatur versteht und kritisch einordnen kann.

Direktes Zitat: Wortlaut übernehmen

Ein direktes Zitat gibt den Originaltext Zeichen für Zeichen wieder. Dafür gelten strenge Regeln:

Anführungszeichen: Im Deutschen stehen typografisch korrekte Anführungszeichen: unten öffnend, oben schließend. Bei englischsprachigen Texten im deutschen Kontext können dieselben Zeichen verwendet werden.

Unveränderlichkeit: Der Text muss exakt so übernommen werden, wie er in der Quelle steht, einschließlich Fehlern, veralteter Schreibweisen und ungewöhnlicher Interpunktion. Steht in der Quelle ein offensichtlicher Fehler, kann man ihn mit [sic] als solchen kennzeichnen, aber nicht stillschweigend korrigieren.

Auslassungen: Wörter oder Satzteile, die weggelassen werden, müssen durch […] ersetzt werden. Drei Auslassungspunkte in eckigen Klammern signalisieren, dass hier etwas fehlt.

Ergänzungen: Eigene Erläuterungen innerhalb des Zitats stehen in eckigen Klammern: “Er [gemeint ist der Bundeskanzler] betonte, dass…”

Quellenangabe: Am Ende des Zitats steht der Intext-Beleg direkt hinter dem schließenden Anführungszeichen und vor dem abschließenden Satzzeichen (in APA und Harvard). Bei MLA steht die Klammer nach dem schließenden Anführungszeichen, aber vor dem Punkt.

Wann direkt zitieren?

Wörtliche Zitate sind sinnvoll, wenn der genaue Wortlaut entscheidend ist: bei Definitionen, bei markanten Formulierungen, die in eigenen Worten nicht gleich präzise wären, oder wenn ein Autor eine Position so knapp auf den Punkt bringt, dass jede Umformulierung den Gehalt verwässern würde. In den Naturwissenschaften sind direkte Zitate selten; in Literatur- und Rechtswissenschaften häufiger.

Indirektes Zitat: Paraphrase

Die Paraphrase gibt den Gedanken einer Quelle in eigenen Worten wieder. Sie ist die häufigere Form des Zitierens in wissenschaftlichen Texten, weil sie zeigt, dass die Autorin oder der Autor die Quelle wirklich verstanden und in die eigene Argumentation integriert hat.

Wichtig: Eine Paraphrase ist keine bloße Umformulierung mit ausgetauschten Synonymen. Der Sinn muss vollständig erfasst und in eigener Sprache ausgedrückt werden. Wer nur einzelne Wörter durch Synonyme ersetzt, begeht unter Umständen ein verstecktes Plagiat.

Die Quellenangabe bei Paraphrasen steht ebenfalls in Klammern, aber ohne Anführungszeichen. In APA und Harvard empfiehlt sich eine Seitenangabe, auch wenn sie nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Blockzitate für längere Passagen

Zitate, die in APA mehr als 40 Wörter umfassen (in MLA mehr als vier gedruckte Zeilen), werden als Blockzitat gesetzt. Das Blockzitat:

  • beginnt in einer neuen Zeile
  • ist links eingerückt (typischerweise 1,25 cm)
  • steht ohne Anführungszeichen
  • endet mit dem Beleg nach dem letzten Satzzeichen

Blockzitate sollten sparsam eingesetzt werden. Wer mehrere Seiten mit langen Zitaten füllt, zeigt keine wissenschaftliche Eigenleistung.

Sekundärzitat: Zitat im Zitat

Manchmal ist eine Quelle nur über eine andere zugänglich: Ein älteres Werk wird in einem neueren zitiert, das Original ist aber nicht verfügbar. In diesem Fall zitiert man das Sekundärzitat:

Im Intext-Beleg: (Originalautor, Originaljahreszahl, zitiert nach Sekundärquelle, Jahr, S. X)

Im Literaturverzeichnis erscheint nur die Sekundärquelle, also das Werk, das man tatsächlich gelesen hat. Sekundärzitate sollten die Ausnahme bleiben und nur genutzt werden, wenn das Original wirklich unzugänglich ist.

Häufige Fehler

Fehlendes Anführungszeichen: Wer den Originalwortlaut übernimmt, ohne ihn zu kennzeichnen, begeht ein Plagiat, auch wenn der Beleg am Ende des Satzes steht.

Zu viele direkte Zitate: Eine Arbeit, die hauptsächlich aus Zitaten besteht, zeigt keine eigene Auseinandersetzung mit dem Stoff. Gutachter erwarten, dass Zitate eingebettet, kommentiert und in den Argumentationsgang integriert werden.

Paraphrase ohne Beleg: Auch paraphrasierte Inhalte stammen aus einer Quelle und müssen belegt werden. Ein fehlender Beleg bei Paraphrasen ist ein häufiger Fehler.

Unklare Zuordnung: Wenn auf mehrere Sätze Paraphrase nur ein einziger Beleg am Ende folgt, ist unklar, welche Teile aus der Quelle stammen. Besser ist es, den Beleg nach jedem paraphrasierten Gedanken zu setzen oder im Satz zu signalisieren (“Laut Müller (2022) …”).

Einbettung in den Argumentationsgang

Zitate und Paraphrasen wirken am stärksten, wenn sie eingebettet und kommentiert werden. Eine bewährte Struktur ist:

  1. Einleitung: Kontext herstellen, warum diese Quelle relevant ist
  2. Zitat oder Paraphrase: Den belegten Inhalt bringen
  3. Kommentar: Was bedeutet das für die eigene These?

Diese Dreischritt-Struktur verhindert, dass Zitate isoliert im Text stehen und die Argumentation unterbrechen, anstatt sie zu stützen.

Häufige Fragen

Wie lang darf ein direktes Zitat sein?

Es gibt keine starre Wortgrenze, aber Zitate über vier Zeilen (APA/MLA) oder fünf Zeilen (Chicago) werden als Blockzitat eingerückt und ohne Anführungszeichen gesetzt. Sehr lange Zitate sind in wissenschaftlichen Texten unerwünscht; meistens ist eine knappe Paraphrase treffender.

Darf ich ein Zitat verändern?

Ja, aber nur in eng begrenztem Rahmen. Auslassungen werden mit drei Punkten in eckigen Klammern [...] markiert. Ergänzungen, die zum Verständnis nötig sind, stehen ebenfalls in eckigen Klammern. Grammatikalische Anpassungen (z. B. Groß- in Kleinschreibung am Satzanfang) sind ohne Kennzeichnung zulässig, wenn sie den Sinn nicht verändern.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zitat und einem Verweis?

Ein wörtliches Zitat gibt den Originalwortlaut exakt wieder und steht in Anführungszeichen. Ein Verweis (Indirektes Zitat oder Paraphrase) gibt den Inhalt einer Quelle in eigenen Worten wieder, ohne Anführungszeichen, aber mit Quellenangabe.

Quellen

  • Theisen, Manuel René (2021): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 17. Auflage, Vahlen.
  • Bänsch, Axel / Alewell, Dorothea (2020): Wissenschaftliches Arbeiten, 12. Auflage, De Gruyter.
Mateusz Viola

Über die Autorenschaft

Mateusz Viola

Betreiber und redaktionelle Verantwortung literaturverzeichnis-generator.de

Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601

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