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Harvard-Zitierweise: Autor-Jahr ohne feste Norm

Die Harvard-Zitierweise verständlich erklärt: Warum es keine einheitliche Harvard-Norm gibt, wie der Intext-Beleg funktioniert und was bei Büchern, Artikeln und Webquellen zu beachten ist.

Lesezeit 6 Min. Aktualisiert 26.05.2026 2 Quellen Jan-Tristan Rudat Jan-Tristan Rudat
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Harvard-Zitierweise: Autor-Jahr ohne feste Norm

Der Name “Harvard” klingt nach einem einheitlichen Standard, ist es aber nicht. Es gibt keine Organisation, die einen offiziellen Harvard-Style herausgibt, anders als die APA mit ihrem Publication Manual oder die MLA mit ihrem Handbook. Harvard ist vielmehr eine Familie von Autor-Jahr-Systemen, die sich in Details unterscheiden, aber alle nach dem gleichen Grundprinzip funktionieren: Autorenname und Erscheinungsjahr im Text, vollständiger Beleg im Literaturverzeichnis.

Verbreitung und Fachgebiete

Harvard hat sich besonders in Wirtschaftswissenschaften, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie in Teilen der Sozialwissenschaften im deutschsprachigen Raum etabliert. Viele Fachhochschulen und Unternehmen fordern diesen Stil für Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten, weil er ohne spezielle Software auskommt und leicht erlernbar ist.

Intext-Beleg

Der Intext-Beleg steht in Klammern und enthält Nachname, Jahr und bei direkten Zitaten die Seite:

(Müller, 2022)

(Müller, 2022, S. 34)

Bei zwei Autoren:

(Müller und Schneider, 2022)

Ab drei Autoren:

(Müller et al., 2022)

Ob ein Komma zwischen Nachname und Jahr steht oder nicht, variiert je nach Hochschulvorgabe. Einige Varianten schreiben (Müller 2022) ohne Komma, andere verlangen (Müller, 2022) mit Komma. Wichtig ist die interne Konsistenz innerhalb der Arbeit.

Bücher im Literaturverzeichnis

Eine typische Harvard-Variante für Bücher:

Nachname, Vorname (Jahr): Titel: Untertitel. Auflage. Erscheinungsort: Verlag.

Beispiel:

Schmitt, Hans (2020): Unternehmensführung im digitalen Wandel: Strategien und Methoden. 2. Aufl. Wiesbaden: Gabler.

Abweichend von APA 7 wird in Harvard meist noch der Erscheinungsort genannt. Ob der vollständige Vorname oder nur die Initiale verwendet wird, hängt von der jeweiligen Hochschulvorgabe ab.

Bei mehreren Autoren trennen Schrägstriche oder Schrägstriche mit Komma die Nachnamen, je nach Stilvariation:

Müller, Klaus / Schneider, Anna (2021): Projektmanagement: Grundlagen und Praxis. München: Beck.

Zeitschriftenartikel im Literaturverzeichnis

Nachname, Vorname (Jahr): “Titel des Artikels”, in: Name der Zeitschrift, Jg. XX, Nr. Y, S. xx-yy.

Beispiel:

Weber, Thomas (2022): “Controlling-Konzepte im Mittelstand”, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Jg. 72, Nr. 4, S. 201-225.

Die genaue Interpunktion und Reihenfolge der Elemente ist je nach Variante unterschiedlich. Manche Hochschulen verlangen, dass der Titel ohne Anführungszeichen steht; andere bestehen auf Anführungszeichen für Aufsatztitel. Die Zeitschrift wird stets kursiv gesetzt.

Webseiten im Literaturverzeichnis

Nachname, Vorname (Jahr): Titel der Seite. URL (Abrufdatum: TT.MM.JJJJ).

Beispiel:

Statistisches Bundesamt (2023): Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. https://www.destatis.de/… (Abrufdatum: 15.04.2025).

Das Abrufdatum ist in Harvard durchgehend üblich, da Webinhalte sich ändern können. Fehlt ein Veröffentlichungsdatum, wird “o. J.” (ohne Jahr) eingesetzt.

Varianten und Hochschulvorgaben

Da es keine einheitliche Norm gibt, existieren viele Varianten nebeneinander:

Variante mit Doppelpunkt nach Jahresangabe: Müller (2022): Titel. Diese Form ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet.

Variante mit Punkt nach Jahresangabe: Müller, K. (2022). Titel. Diese Form ähnelt APA und ist ebenfalls häufig.

Reihenfolge von Erscheinungsort und Verlag: Mal steht der Ort zuerst (Berlin: Springer), mal der Verlag zuerst (Springer, Berlin). Beides kommt vor.

Die wichtigste Regel lautet: Zuerst prüfen, welche Variante die betreuende Institution oder der Verlag vorschreibt, und diese dann vollständig einhalten.

Abgrenzung zu APA und Chicago

Harvard und APA sind sich sehr ähnlich, unterscheiden sich aber in Detailregeln, die bei genauem Hinsehen auffallen: Vorname versus Initial, Erscheinungsort ja oder nein, Komma zwischen Autor und Jahr. Chicago bietet zwei Varianten an, eine mit Fußnoten und eine mit Autor-Jahr, die der Harvard-Variante nahekommt.

Für die automatische Formatierung nach einer bestimmten Hochschulvariante lohnt es sich, das Werkzeug auf literaturverzeichnis-generator.de zu nutzen, das die Eingaben nach dem gewählten Stil ausgibt, ohne dass Detailregeln manuell nachgeschlagen werden müssen.

Häufige Fragen

Gibt es einen offiziellen Harvard-Standard?

Nein. Anders als APA oder MLA gibt es keine offizielle Harvard-Organisation, die einen verbindlichen Leitfaden herausgibt. Jede Hochschule und jeder Verlag, der Harvard vorschreibt, hat eigene Varianten. Deshalb immer zuerst die Vorgaben der jeweiligen Einrichtung prüfen.

Was unterscheidet Harvard von APA?

Beide verwenden das Autor-Jahr-System, unterscheiden sich aber in Details: Harvard gibt häufig den vollständigen Vornamen an, APA nur Initialen. Der Erscheinungsort wird in Harvard meist noch angegeben, in APA 7 nicht mehr. Die genaue Interpunktion variiert je nach Hochschul-Variante.

Wie gehe ich mit mehreren Werken desselben Autors aus demselben Jahr um?

Beide Stile lösen das gleich: Ein Buchstabe wird dem Jahr angehängt. Im Intext-Beleg heißt es dann (Müller, 2021a) und (Müller, 2021b). Im Literaturverzeichnis werden die Einträge alphabetisch nach dem Titel sortiert, um die Reihenfolge der Buchstaben festzulegen.

Quellen

  • Neville, Colin (2010): The Complete Guide to Referencing and Avoiding Plagiarism, 2nd Edition, Open University Press.
  • Universität Regensburg (2022): Leitfaden Harvard-Zitierweise. https://www.uni-regensburg.de/bibliothek/.
Jan-Tristan Rudat

Über die Autorenschaft

Jan-Tristan Rudat

Redakteur literaturverzeichnis-generator.de

Themengebiet: Generationen, Kulturgeschichte, Sternzeichen, Pop-Phänomene rund ums Alter

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