Quellenarten

Gesetze und Urteile zitieren: juristische Quellen im Literaturverzeichnis

Wie Gesetze, Gerichtsentscheidungen und amtliche Dokumente nach APA, MLA und anderen Stilen korrekt zitiert werden und was in juristischen Arbeiten gilt.

Lesezeit 7 Min. Aktualisiert 26.05.2026 2 Quellen Mateusz Viola Mateusz Viola
Inhalt

Gesetze und Urteile zitieren: juristische Quellen im Literaturverzeichnis

Juristische Quellen folgen eigenen Zitierkonventionen, die sich deutlich von denen der Geistes- oder Sozialwissenschaften unterscheiden. Wer ein Gesetz, ein Urteil oder eine Verwaltungsvorschrift zitiert, muss wissen, welche Angaben zwingend erforderlich sind und wie das Ergebnis im Literaturverzeichnis aussieht.

Gesetze zitieren

Gesetze haben keinen persönlichen Autor. An die Stelle des Verfassers tritt der Normgeber, also etwa der Deutsche Bundestag, ein Landesgesetzgeber oder die Europäische Union.

Für deutsche Gesetze gilt: Offizielle Abkürzung des Gesetzes, vollständiger Titel, Datum der letzten Fassung und Fundstelle im Bundesgesetzblatt (BGBl.) oder in einer offiziellen Online-Datenbank.

Beispiel nach APA:

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) in der Fassung vom 2. Januar 2002, BGBl. I S. 42, zuletzt geändert durch Gesetz vom 20. Mai 2025, BGBl. I Nr. 160.

Wer auf die jeweils gültige Fassung auf gesetze-im-internet.de verweist, ergänzt die URL und das Zugriffsdatum. Diese Angabe ist besonders bei sich häufig ändernden Regelwerken sinnvoll.

Urteile und Gerichtsentscheidungen

Für Gerichtsentscheidungen sind folgende Angaben unverzichtbar:

  • Name des Gerichts
  • Datum der Entscheidung
  • Aktenzeichen (Az.)
  • Fundstelle in einer amtlichen Sammlung oder einer anerkannten Datenbank

Beispiel nach APA:

Bundesgerichtshof, Urteil vom 12. März 2020, Az. VI ZR 252/19. BGHZ 225, 316.

Im juristischen Fußnotenapparat wird meist die Kurzform verwendet: BGH, NJW 2020, 1780. Diese Kurzform ist für Nicht-Juristen schwer lesbar; in interdisziplinären Arbeiten empfiehlt sich die Langform.

Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts werden nach der amtlichen Sammlung BVerfGE zitiert:

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 15. Januar 2019, 2 BvL 1/17. BVerfGE 150, 1.

Europäisches Recht

EU-Verordnungen und EU-Richtlinien erscheinen im Amtsblatt der Europäischen Union (ABl.). Die Angabe enthält die offizielle Nummer der Rechtsvorschrift, den Titel, die Amtsblattfundstelle mit Nummer und Erscheinungsjahr.

Beispiel:

Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten (Datenschutz-Grundverordnung). ABl. L 119, 4.5.2016, S. 1-88.

Verwaltungsvorschriften und amtliche Bekanntmachungen

Erlasse, Rundschreiben und Verwaltungsvorschriften werden wie Gesetze behandelt, wenn sie verbindlichen Charakter haben. Nicht verbindliche Hinweise oder Leitfäden staatlicher Stellen werden wie Behördenpublikationen zitiert: Herausgebende Behörde, Titel, Erscheinungsjahr und Fundstelle oder URL.

Besonderheit: Reihenfolge im Literaturverzeichnis

In rechtswissenschaftlichen Arbeiten wird das Literaturverzeichnis häufig in mehrere Abschnitte unterteilt: Gesetze und Verordnungen, Gerichtsentscheidungen, Literatur. Jede Gruppe wird alphabetisch oder chronologisch geordnet.

In Arbeiten nach APA oder MLA, die keine eigene Rechtsliteratur-Tradition haben, werden juristische Quellen mit einer Sonderkategorie oder einem eigenen Abschnitt eingefügt. Die genaue Umsetzung richtet sich nach den Vorgaben der Prüfungsordnung oder des Betreuers.

Historische Quellen und veraltete Fassungen

Wer eine historische Fassung eines Gesetzes zitiert, gibt das ursprüngliche Inkrafttreten an, nicht die aktuelle Fassung. Für das Reichsgericht existieren gedruckte Sammlungen (RGZ, RGSt), die als Fundstelle dienen.

Digitale Datenbanken wie juris oder beck-online verfügen über Archivfassungen, die mit Datenbankname, abgerufenem Dokument und Zugriffsdatum nachgewiesen werden.

Praxishinweis

Juristische Quellen profitieren besonders davon, die Quellenart klar zu kennzeichnen. Da Gesetze und Urteile keine herkömmlichen Autoren haben, kann es bei automatisierten Werkzeugen zu Lücken kommen. Wer juristische Quellen in einem anderen Fachbereich einbindet, sollte die Ausgabe des Generators mit den Vorgaben seines Fachs abgleichen und fehlende Elemente manuell ergänzen. Für rein rechtswissenschaftliche Arbeiten empfiehlt sich ein spezialisiertes Zitierhandbuch wie das Handbuch der Rechtschreibung der Rechtssprache.

Häufige Fragen

Kommen Gesetze überhaupt ins Literaturverzeichnis?

Das hängt vom Zitierstil und der Fachrichtung ab. In rein juristischen Arbeiten werden Gesetze oft nur im Fußnotenapparat nachgewiesen und erscheinen nicht im Literaturverzeichnis. In sozialwissenschaftlichen oder historischen Arbeiten nach APA oder MLA gehören sie als eigene Quellengruppe dazu.

Wie zitiere ich ein Urteil, das nur als PDF vorliegt?

Enthält das PDF alle relevanten Metadaten (Gericht, Datum, Aktenzeichen), werden diese vollständig angegeben. Zusätzlich kommt die URL oder der Name der Datenbank, aus der das Dokument stammt, sowie das Zugriffsdatum.

Quellen

  • Bergmann, Rainer / Nuck, Claudia (2020): Zitieren in juristischen Arbeiten, 4. Auflage, C.H. Beck.
  • American Psychological Association (2020): Publication Manual of the American Psychological Association, 7th edition, APA.
Mateusz Viola

Über die Autorenschaft

Mateusz Viola

Betreiber und redaktionelle Verantwortung literaturverzeichnis-generator.de

Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601

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