Quellenarten
Dissertation und Hochschulschriften richtig zitieren
Wie man Dissertationen, Masterarbeiten und andere Hochschulschriften korrekt ins Literaturverzeichnis aufnimmt und welche Angaben je nach Zitierstil erforderlich sind.
Inhalt
Dissertation und Hochschulschriften richtig zitieren
Dissertationen, Masterarbeiten und Bachelorarbeiten gehören zu den unverzichtbaren Quellen in vielen Fachbereichen. Sie bieten oft spezialisierte Forschungsergebnisse, die in Fachzeitschriften noch nicht publiziert wurden. Im Literaturverzeichnis erfordern sie eine eigene Behandlung, weil sie weder Bücher noch Zeitschriftenartikel sind.
Warum Hochschulschriften eine Sonderform sind
Im Gegensatz zu verlagsveröffentlichten Büchern durchlaufen Hochschulschriften kein reguläres Lektorat. Sie sind an eine bestimmte Hochschule gebunden und oft nur über das Hochschulrepositorium, die Deutsche Nationalbibliothek oder kommerzielle Datenbanken wie ProQuest zugänglich. Diese Besonderheit schlägt sich in der Quellenangabe nieder: Die Art der Schrift und die vergebende Hochschule gehören zwingend dazu.
Angaben für Dissertationen nach APA 7
In APA (7. Auflage) sieht eine Angabe für eine unveröffentlichte Dissertation so aus:
Nachname, V. (Jahr). Titel der Dissertation (Unveröffentlichte Dissertation). Name der Hochschule.
Wurde die Dissertation in einer Datenbank veröffentlicht, ändert sich das Format:
Nachname, V. (Jahr). Titel der Dissertation (Doctoral dissertation, Name der Hochschule). Datenbankname. URL
Der Unterschied liegt im letzten Teil: Statt des Hochschulnamens am Ende steht die Datenbank mit URL.
Masterarbeiten und Bachelorarbeiten
Das Prinzip ist identisch, nur der Quellentyp ändert sich:
Nachname, V. (Jahr). Titel der Arbeit (Master’s thesis, Name der Hochschule). Datenbankname. URL
Oder bei unveröffentlichter Arbeit:
Nachname, V. (Jahr). Titel der Arbeit (Unveröffentlichte Masterarbeit). Name der Hochschule.
Bachelorarbeiten werden in der Regel nach demselben Muster behandelt, mit Bachelor’s thesis als Typbezeichnung. Im Deutschen kann man gleichwertig Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation schreiben.
Zitation nach MLA 9
In MLA sieht die Angabe anders aus:
Nachname, Vorname. Titel der Dissertation. Jahr. Name der Hochschule, Typ der Arbeit.
Beispiel:
Wagner, Lena. Sprachliche Variation in schlesischen Mundarten des 19. Jahrhunderts. 2022. Universität Breslau, Dissertation.
Der Quellentyp steht am Ende, nach dem Komma hinter dem Hochschulnamen. Wurde die Arbeit in einer Datenbank veröffentlicht, ergänzt man die Datenbankangabe nach dem Muster einer regulären MLA-Webquelle.
Zitation nach Chicago Notes
Im Notes-and-Bibliography-System von Chicago steht der vollständige Vorname zuerst:
Vorname Nachname, “Titel der Dissertation” (Typ der Arbeit, Hochschule, Jahr), Seitenzahl.
Im Literaturverzeichnis:
Nachname, Vorname. “Titel der Dissertation.” Typ der Arbeit, Hochschule, Jahr.
Anführungszeichen umschließen den Titel, weil Dissertationen als unabgeschlossene oder nicht kommerziell veröffentlichte Werke gelten. Chicago unterscheidet damit von Büchern, deren Titel kursiv stehen.
Abrufbar über Repositorien und Datenbanken
Viele Dissertationen sind über das Repositorium der jeweiligen Hochschule frei zugänglich. Die Universitätsbibliotheken stellen permanente URLs bereit, die stabiler sind als gewöhnliche Weblinks. Wer eine Dissertation über eine kommerzielle Datenbank bezieht, nennt den Datenbanknamen und, falls vorhanden, die Zugangsnummer.
Bei der Deutschen Nationalbibliothek können Pflichtexemplare von Dissertationen eingesehen werden. Die DNB vergibt eigene URNs (Uniform Resource Names), die sich besser als Dauerlinks eignen als DOIs oder gewöhnliche URLs.
Häufige Fehler vermeiden
Hochschule nicht nennen: Ohne den Namen der vergebenden Hochschule ist die Quellenangabe unvollständig. Leserinnen und Leser können die Arbeit sonst nicht auffinden.
Typ der Schrift weglassen: Ob Dissertation, Masterarbeit oder Bachelorarbeit macht einen Unterschied für die Einschätzung der Quelle. Dieser Hinweis darf nicht fehlen.
Veröffentlicht und unveröffentlicht verwechseln: Eine Dissertation, die im Verlag erschienen ist, wird wie ein Buch zitiert. Nur unveröffentlichte oder ausschließlich im Repositorium verfügbare Arbeiten erhalten den Sondertyp.
Jahr der Einreichung vs. Jahr der Veröffentlichung: Manche Dissertationen erscheinen erst Jahre nach der Verteidigung im Druck. In diesem Fall gilt das Publikationsjahr der Buchfassung, nicht das Jahr der Prüfung.
Praxistipp: Generator nutzen
Wer den Generator für die Formatierung von Hochschulschriften einsetzt, gibt Quellentyp, Titel, Hochschule und Jahr ein und erhält eine stilgerechte Ausgabe. Das verhindert, dass Klammern, Punkte und Kursivierungen an der falschen Stelle erscheinen.
Qualität der Quelle beurteilen
Dissertationen sind peer-reviewed im weiteren Sinne: Sie werden von einem Gutachterkomitee bewertet. Trotzdem rangieren sie in vielen Fachbereichen unterhalb von Zeitschriftenartikeln aus referierten Fachzeitschriften. Es empfiehlt sich, in Qualifikationsarbeiten Dissertationen möglichst durch veröffentlichte Nachfolgestudien zu ersetzen oder zumindest zu ergänzen. Wenn eine Dissertation aber die einzige verfügbare Forschungsarbeit zu einem spezifischen Thema ist, ist die Zitation vollkommen legitim und geboten.
Häufige Fragen
Muss ich bei einer Dissertation angeben, ob sie veröffentlicht oder unveröffentlicht ist?
Ja, das ist bei den meisten Zitierstilen Pflicht. Unveröffentlichte Dissertationen werden als solche gekennzeichnet, etwa mit dem Zusatz Unveröffentlichte Dissertation oder Unpublished doctoral dissertation. Bei veröffentlichten Varianten entfällt dieser Hinweis, stattdessen wird der Verlag oder die Datenbank angegeben.
Was ist der Unterschied zwischen einer Dissertation und einer Masterarbeit im Literaturverzeichnis?
Der Quellentyp wird durch einen Klammerzusatz unterschieden. Bei APA steht Doctoral dissertation für Dissertationen und Master's thesis für Masterarbeiten. Beide Male folgt dahinter der Name der Hochschule, an der die Arbeit eingereicht wurde.
Quellen
- American Psychological Association (2020): Publication Manual of the American Psychological Association, 7th edition, APA.
- Karmasin, Matthias / Ribing, Rainer (2022): Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten, 11. Auflage, UTB.
Über die Autorenschaft
Jan-Tristan Rudat
Redakteur literaturverzeichnis-generator.de
Themengebiet: Generationen, Kulturgeschichte, Sternzeichen, Pop-Phänomene rund ums Alter
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