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Chicago-Zitierweise: Fußnoten und Bibliografie richtig einsetzen

Der Chicago-Stil erklärt: Wie Fußnoten aufgebaut sind, wann man auf die Kurzform wechselt und wie die Bibliografie am Ende der Arbeit aussieht.

Lesezeit 7 Min. Aktualisiert 22.05.2026 2 Quellen Jan-Tristan Rudat Jan-Tristan Rudat
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Chicago-Zitierweise: Fußnoten und Bibliografie richtig einsetzen

Der Chicago-Stil gehört zu den ältesten und bekanntesten wissenschaftlichen Zitierweisen der Welt. Er wird vor allem in Geschichte, Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und Teilen der Philosophie eingesetzt, hat aber auch in anderen geisteswissenschaftlichen Fächern eine lange Tradition. Charakteristisch ist die Verwendung von Fußnoten, die den Lesefluss im Haupttext weitgehend ungestört lassen.

Die zwei Varianten des Chicago-Stils

Das Chicago Manual of Style unterscheidet zwei Systeme. Die erste Variante, Notes and Bibliography, arbeitet mit nummerierten Fußnoten und einer Bibliografie am Ende des Textes. Sie ist in den Geisteswissenschaften die Standardform und wird in diesem Artikel vorrangig behandelt. Die zweite Variante, Author-Date, nutzt kurze Klammerzitate im Text und eine Referenzliste, ähnlich wie APA oder Harvard. Welches System verwendet werden soll, legt in der Regel das Fach oder die Betreuerin fest.

Aufbau der Vollform-Fußnote

Wenn eine Quelle zum ersten Mal zitiert wird, erscheint in der Fußnote die vollständige bibliografische Angabe. Bei einem Buch sieht das so aus:

Vorname Nachname, Titel des Werkes: Untertitel (Erscheinungsort: Verlag, Jahr), Seitenzahl.

Ein konkretes Beispiel für einen Sammelbandbeitrag:

Maria Schreiber, “Historische Quellenkritik im digitalen Zeitalter,” in Methoden der Geschichtswissenschaft, hg. von Peter Lange und Anna Schulz (Berlin: Akademie Verlag, 2019), 45.

Zu beachten ist die Kommasetzung: Die Elemente werden durch Kommas getrennt, nicht durch Punkte. Das unterscheidet die Fußnoten-Notation von der Bibliografie-Notation, die mit Punkten arbeitet.

Von der Vollform zur Kurzform

Sobald eine Quelle bereits vollständig zitiert wurde, wechselt man bei erneuter Nennung zur Kurzform. Sie besteht aus Nachname des Autors, einem verkürzten Titel und der Seitenzahl:

Schreiber, “Quellenkritik,” 52.

Die Abkürzung ebd. (für ebenda oder ibidem) ist nur dann zulässig, wenn in der unmittelbar vorhergehenden Fußnote exakt dieselbe Quelle genannt wurde. Sobald eine andere Quelle dazwischenkommt, muss man zur Kurzform zurückgreifen, nicht zu ebd. Diese Regel wird oft verwechselt, was zu Unklarheiten im Quellenapparat führt.

Aufbau der Bibliografie

Am Ende der Arbeit steht die Bibliografie. Hier gelten andere Formatierungsregeln als in den Fußnoten. Die wichtigsten Unterschiede:

Die Reihenfolge der Namensangabe ist umgekehrt: Nachname, Vorname steht zuerst. Die Elemente werden durch Punkte getrennt, nicht durch Kommas. Verlag und Ort stehen nicht in Klammern.

Beispiel für ein Buch in der Bibliografie:

Schreiber, Maria. Historische Quellenkritik: Eine Einführung für das digitale Zeitalter. Berlin: Akademie Verlag, 2018.

Beispiel für einen Zeitschriftenartikel:

Haupt, Jürgen. “Quellen und ihre Interpretation in der Frühen Neuzeit.” Historische Zeitschrift 312, Nr. 2 (2021): 289-315.

Besonderheiten bei Online-Quellen

Für Webseiten und digitale Artikel enthält die Fußnote zusätzlich die URL und in der Regel auch das Zugriffsdatum. Das Zugriffsdatum wird im Chicago-Stil in der Formulierung “aufgerufen am” oder “letzter Zugriff” angegeben. Bei wissenschaftlichen Artikeln mit DOI (Digital Object Identifier) verwendet man statt der URL den DOI-Link.

Typische Fehler im Umgang mit Chicago

Ein verbreitetes Problem ist die Vermischung von Fußnoten- und Bibliografieformat. Wer in der Fußnote den Nachnamen zuerst nennt, wie es in der Bibliografie korrekt ist, macht einen Fehler. Die Fußnote beginnt mit dem Vornamen.

Ein weiterer Fehler betrifft die Kurzform: Manche Studierende kürzen Titel so stark ab, dass der Bezug zur Vollform nicht mehr eindeutig ist. Ein Kurztitel sollte die ersten bedeutungstragenden Wörter des Originaltitels enthalten, ohne sie zu verfremden.

Chicago und digitale Werkzeuge

Wer regelmäßig im Chicago-Stil arbeitet, profitiert von einem Hilfsmittel, das Fußnoten und Bibliografieeinträge automatisch nach dem richtigen Muster formatiert. Der Generator auf dieser Website unterstützt den Chicago-Stil und erzeugt sowohl die Fußnotenform als auch den entsprechenden Bibliografieeintrag, sodass das lästige manuelle Umformatieren entfällt.

Kursivierung und Anführungszeichen

Im Chicago-Stil werden selbständige Werke kursiv gesetzt: Bücher, Zeitschriften, Filme, Kunstwerke. Unselbständige Teile, also Artikel, Kapitel, Kurzgeschichten und Liedtitel, stehen in Anführungszeichen. Diese Unterscheidung ist konsistent durchzuhalten und gilt sowohl in den Fußnoten als auch in der Bibliografie.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Der Chicago-Stil mit Fußnoten ist präzise und leserfreundlich zugleich: Der Haupttext bleibt unbelastet von Klammerzitaten, die Fußnoten liefern bei Bedarf alle Details, und die Bibliografie fasst alle Quellen einheitlich zusammen. Wer den Unterschied zwischen Vollform, Kurzform und Bibliografieform sicher beherrscht, hat die wichtigsten Tücken des Systems gemeistert.

Häufige Fragen

Wann verwendet man die Kurzform im Chicago-Stil?

Sobald eine Quelle im selben Kapitel bereits vollständig in einer Fußnote genannt wurde, darf man zur Kurzform wechseln: Nachname, Kurztitel, Seitenzahl. Die Abkürzung 'ebd.' (ebenda) ist nur zulässig, wenn dieselbe Quelle in der unmittelbar vorhergehenden Fußnote erscheint.

Unterscheidet sich der Chicago-Stil nach Fachbereich?

Ja. Die Humanities-Variante nutzt Fußnoten mit einer Bibliografie am Ende. Die Author-Date-Variante, die in den Sozialwissenschaften verbreitet ist, funktioniert wie ein Kurzzitat im Text kombiniert mit einer Referenzliste, ähnlich wie APA.

Muss die Bibliografie bei Chicago alle Fußnotenquellen enthalten?

In der Regel ja. Jede Quelle, die in einer Fußnote erscheint, taucht auch in der Bibliografie auf. Ausnahmen gelten für sehr kurze Werke oder unveröffentlichte Privatmitteilungen, die keine selbständige Bibliografiezeile rechtfertigen.

Quellen

  • University of Chicago Press (2017): The Chicago Manual of Style, 17th Edition, University of Chicago Press.
  • Turabian, Kate L. (2018): A Manual for Writers of Research Papers, Theses, and Dissertations, 9th Edition, University of Chicago Press.
Jan-Tristan Rudat

Über die Autorenschaft

Jan-Tristan Rudat

Redakteur literaturverzeichnis-generator.de

Themengebiet: Generationen, Kulturgeschichte, Sternzeichen, Pop-Phänomene rund ums Alter

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